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2017

2002 - Yvonne, die Burgunderprinzessin

Yvonne, die Burgunderprinzessin

Das ist durchaus aktuell: Da gibt es einen jungen Prinzen – zwar noch etwas pubertär, aber schon im heiratsfähigen Alter – und die Damenwelt tut (fast) alles, um sich an diesen Prinzen heranzumachen. Doch der Prinz leidet an Langeweile, ihn langweilt sogar das Spiel mit den reizenden, lockenden Hofdamen, denn: „Immer noch einmal? Immer das Gleiche?“ – das will er nicht. Und aus purer Provokation beschließt er, das hässlichste Mädchen – Yvonne – zu heiraten: „Ich bin reich genug, mich sogar mit dem ausgesprochenen Elend selbst zu verloben.“

Jedoch wird die Provokation des Prinzen zur Provokation der Yvonne: Ihre pure, schlichte, stumme Anwesenheit und ihr Anders-Sein versetzen den gesamten Hofstaat in Aufruhr. Durch ihr Eindringen in die hermetische Abgeschlossenheit des Hofes fühlt man sich ertappt: Bei seinen geheimsten Tätigkeiten, bei seinen intimsten Mängeln, bei seinen abgründigsten Gedanken ... Yvonne bleibt weitgehend stumm – und alle anderen geraten in lautes Palaver und hektische Betriebsamkeit.
Natürlich kann sich die Hofgesellschaft diese Provokation nicht gefallen lassen. Man versucht mit allen Mitteln, Yvonne wegzuekeln, denn „Alles ist erlaubt! Alles darf man! Was einem gefällt! Alles!“ Selbst die Entwürdigung, die Demütigung, ja sogar die Ermordung einer unschuldigen Person ist erlaubt: Ein Mord – just for fun – denn der Spaßfaktor muss wieder hergestellt werden! – Und das ist durchaus aktuell ...

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