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Unter Uns – Ein grotesk-makaberes Stück Friedhof

2014

Dazu haben die Schüler als Handlungsort für ihr weitgehend selbst entwickeltes Stück ausgerechnet einen Friedhof gewählt. „Die Grundidee ist durchaus gesellschaftskritisch“, so der Leiter der Theater-AG Paul Möllers, “denn es geht um die Frage, ob alle Bereiche der Gesellschaft dem kapitalistischen Vermarkungsinteresse ausgesetzt werden dürfen. Wir haben diese Frage mit der Wahl des Handlungsortes auf die Spitze getrieben.“

Und in der Tat ist auf diesem Friedhof der Teufel los. Dort, wo eigentlich Ruhe und Frieden herrschen sollten, wird mit harten Bandagen gekämpft. Zu Anfang des Stücks, so Möllers, geht es zwar noch recht friedlich zu, denn zwei „Nutten“ wollen das Grab ihrer verstorbenen Kollegin besuchen. Sie sorgen für die menschliche Wärme in dem Stück und geben einige herzzerreißende Lieder zum Besten. Ihnen begegnen zwei „Blinde“, die sich im Laufe der Handlung als gar nicht so blinde Occupy-Kämpfer outen. Außerdem sind der schräge Friedhofsverwalter und seine Sekretärin in hektischer Betriebsamkeit auf dem Friedhof unterwegs, um die Gräber auf Vordermann zu bringen. Denn sie erwarten den Boss der amerikanischen Aktiengesellschaft „Happy Die“, der zusammen mit seiner Stellvertreterin grundlegende Veränderungen auf dem Friedhof durchführen will, damit dieser mehr Profit für die Aktionäre abwirft. Zu diesem Zweck wird eine Werbefirma engagiert, die mit fragwürdigen Werbeslogans und bunten Leuchtreklamen die Attraktivität des Friedhofs aufmotzen will.

Einer der Occupy-Kämpfer interessiert sich mehr für das weibliche Geschlecht als für den politischen Kampf und gerät deshalb in Stress mit seiner Frau. Der andere Kämpfer nimmt den Vorsitzenden der Kapitalgesellschaft als Geisel, um die „letzte Oase der Freiheit“ – nämlich den Friedhof – vor der kapitalistischen Vermarktung zu bewahren. So kommt es zu einem spannenden Showdown auf dem Friedhof. Zu allem Überfluss mischen sich auch noch die Toten ein …